MOLOCH – von Moritz Schleime, Philip Grözinger und Marcus Wittmers

Der Begriff Moloch ist verbunden mit einem grausamen Opferritual, von dem uns sowohl griechische Quellen, als auch das Alte Testament berichten, wonach Kinder bei lebendigem Leibe in einer erhitzten Bronzestatue verbrannt wurden, um den Götzen Moloch oder Milkmon zu ehren. In neuerer Zeit steht er freilich als Synonym für eine menschenfressende Maschinerie, nicht selten in Form der Großstadt als unübersichtliches Geflecht, indem seine Bewohner sich verlieren. Als Beispiele in der Literatur sei auf die Großstadtromane der 20er und 30er Jahre verwiesen oder auch auf Filme, wie natürlich Metropolis oder auch Blade Runner, um nur wenige zu nennen. Die Ausstellung im APEX pro art e.V. wird sich sowohl dem Ursprung als auch der zeitgenössischen Rezeption des Mythos Moloch widmen. Ausgangspunkt bildet hierbei eine Molochdarstellung des holländischen Malers Rombout van Troyen (1604-1656) aus dem Jahr 1626, die für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt wird. Van Troyen, vor allem für seine Höhlendarstellungen und ausgefallenen religiösen und mystischen Motive bekannt, illustriert auf dem Bild die Opferung des eigenen Sohnes durch den König Achas.

Von diesem alten Ölgemälde haben sich die Berliner Künstler Moritz Schleime, Marcus Wittmers und Philip Grözinger zusammengetan, um auf dessen Grundlage eine zeitgenössische Moloch-Ausstellung zu komponieren. Dabei werden sie sich sowohl malerischer wie auch skulpturaler Mittel bedienen. Die Ausstellung wird durch die Sammlung SØR Rusche unterstützt. Zur Ausstellungseröffnung wird Herr Dr. Dr. Thomas Rusche einen Vortrag halten. Zum Ende der Ausstellung erscheint ein Katalog.
Moritz Schleime, besticht in seinen Gemälden durch überbordende Kompositionen, in der Hoch- auf Popkultur trifft. Trotz dem teils schrillen und bunten Charakteren, die Märchen und Comics entsprungen scheinen, weht eine Melancholie und Bitterkeit durch die Bilderwelt des Malers.
Auch Philip Grözinger kreiert dunkle Bilderwelten, die oft ohne Personal auskommen, sondern eher Landschaften zeigen, die von amorphen Formen okkupiert werden. Diese vermitteln Stimmungen, die sich positiv und negativ absetzen können. Die Uneindeutigkeit seiner Arbeiten lassen den Betrachtern Raum für Assoziationen, den es ist nicht klar, ob
durch diese Interventionen andere Geschehnisse verdeckt werden, oder ob die Formen für sich selber sprechen. Marcus Wittmers hingegen widmet sich der Skulptur. Der gelernte Bildhauer entwickelt große ikonenartige Frauen, die auf Schweinen reiten, oder auch stolz Waffen emporrecken. Allein, der Zusammenhang, weshalb sie dies tun, wird ausgeklammert. Es ist, als ob sie einem größeren Standbild entnommen sind und dadurch ihren Sinn verloren hätten. Zu seinem Repertoire gehören auch ausrangierte Grabsteine, aus denen er hyperrealistische Reliefs von Schusswaffen hineingearbeitet hat, die einerseits durch ihre handwerkliche Perfektion bestechen und andererseits Abscheu verursachen und das Publikum so in ein Dilemma stürzt.

Vernissage: 01.07.2010 ab 19 Uhr ein. Die Ausstellung findet in ausgelagerten Räumen im Cheltenham-Haus in der Friedrichstraße, Göttingen statt.

Quelle: APEX pro art e.V. wird