POP-ART-Meister der Fotografie: David Lachapelle | earth laughs in flowers

In der ersten institutionellen Einzelausstellung des US-amerikanischen Fotografen David LaChapelle (*1964) in Deutschland präsentiert die kestnergesellschaft eine Serie neuer, noch nicht gezeigter Fotografien. Die in diesem Jahr entstandene Werkreihe Earth Laughs in Flowers verweist dabei auf kunsthistorische Bildtraditionen und lässt dennoch nie die eigene Bildsprache LaChapelles missen.

Die großformatige Stillleben dieser Serie mit Titeln wie The Lovers, Concerning the Soul, Risk oder America knüpfen nahtlos an das Prinzip der Überzeichnung der zahlreichen Porträts von Berühmtheiten wie Madonna, Pamela Anderson, Michael Jackson, Björk oder David Bowie an, mit denen LaChapelle seit den 1990er Jahren selbst zu großer Bekanntheit gelangt ist. Bei diesen Porträts sind neben einer Angst vor der Leere, einer Vorliebe für schlechten Geschmack, einer Schönheit, die ins Hässliche kippt, bereits immer kunsthistorische Referenzen auszumachen. Die neuesten Arbeiten David LaChapelles zeigen nun eine explizite kompositorische Nähe zu barocken Blumenstillleben. Anstelle menschlicher Körper zeugen Pflanzen, Früchte und Objekte von der Endlichkeit und vom Hochmut des Lebens, von seinen Obsessionen und Zwängen, von Lust und Leid. Im Sinne der Vanitas-Darstellungen, die Vergänglichkeit und Eitelkeit symbolisieren, kann auch der Titel der Serie und der Ausstellung gelesen werden: Das Zitat »Earth laughs in Flowers« entstammt dem Gedicht »Hamatreya« von Ralph Waldo Emerson, in dem es heißt, die Erde lache in Blumen angesichts der anmaßenden Haltung der Menschen, die meinen sie zu besitzen, letztendlich aber vergänglich sind und wieder in die Erde eingehen. Der Titel spricht aber auch von einer affirmativen und alles annehmenden Haltung wie LaChapelle sie selbst formuliert und mit seiner Bildsprache im Sinne des Pop umzusetzen sucht. Seine Arbeiten sollen einbeziehend und leicht verständlich sein, sich an ein sehr breites Publikum wenden. Das gelingt durch Strategien, die mediale Inszenierungen überhöhen wie bei den Porträts oder aber durch Motive, die allgemein und kulturell verankert sind wie in der ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Serie Jesus is My Homeboy (2003): Mit Menschen von der Straße inszeniert LaChapelle Szenen aus dem Leben Jesu, die in ihrer lebensnahen, zeitgenössischen Umsetzung verblüffen. Ergänzt wird diese Werkreihe durch zwei Gemälde aus der Landesgalerie des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Die zwei Werke, Christuskopf (1904) von Erich Brunkal, und das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Werk Grablegung Christi von Casabene, eine Kopie nach Raffael, ermöglichen es, die neuen Arbeiten von David LaChapelle mit Traditionen christlicher Bilddarstellungen zu vergleichen und Bezüge herzustellen.

David LaChapelle hat Bildende Kunst an der North Carolina School of the Arts studiert, bevor er nach New York ging. Dort hat er sowohl an der Art Students League wie an der School of Visual Arts studiert und noch während seines Studiums auf Einladung von Andy Warhol für die Zeitschrift Interview Magazine zu arbeiten. David LaChapelle hatte unter anderen Einzelausstellungen im Tel Aviv Museum of Art, Kunst Haus Wien und im Fotografiska Museet Stockholm und war in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten wie im Brooklyn Museum und der Helmut Newton Stiftung.

Kestnergesellschaf Hannover: 25. februar bis 8. mai 2011

Quelle: www.kestner.org, Foto: © David LaChapelle