Kaufen nach Herz und Auge: Besucher- und Umsatzrekorde zur art KARLSRUHE

Bestmarken zur achten art KARLSRUHE (10. bis 13.3.). Bereits am Eröffnungsabend deutete es sich an: Rekordstimmung in den vier Hallen der Karlsruher Messe. Erneut konnten so viele Besucher wie nie zuvor gezählt werden: 45 000 Kunstinteressierte strömten in die badische Residenzstadt. Auch die Qualität stieg. Jeder zweite gab an, Kunstkäufer zu sein, jeder zehnte bezeichnete sich als Sammler. Britta Wirtz, Karlsruher Messechefin: „Die jahrelange, stringente Arbeit hat sich ausgezahlt. Der Radius der art KARLSRUHE vergrößert sich europaweit. Zudem stärkt sie Karlsruhe als eminent wichtigen Standort der Kreativwirtschaft.“

Millionenumsätze bei Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, mit Klassischer Moderne. „Ewald Karl Schrade hat mit seiner art KARLSRUHE 110 Prozent erreicht“, lobte Galerist Hans Maulberger, München, der sehr zufriedenstellende Verkäufe verzeichnete. Rund eine dreiviertel Million Euro setze er um, darunter ein 100 auf 120 Zentimeter großes Gemälde von Ernst Wilhelm Nay und drei Gemälde von Fritz Winter. Dass seine Aussage, die Messe habe sich stabilisiert, eher wie gepflegtes Understatement klingt, belegen die Erfolge mancher seiner Kollegen. Einen furiosen Start legte die Galerie Schlichtenmaier hin. „Wir standen unter Beschuss“, berichtete Bert Schlichtenmaier. Verkauft wurden Arbeiten von Adolf Hölzel, Jürgen Brodwolf, Georg Karl Pfahler oder Camill Leberer. „Zudem freuen wir uns über zahlreiche Reservierungen, und eine Arbeit von Willi Baumeister für 175 000 Euro ist in guter Verhandlung.“

Gerade im Bereich der Klassischen Moderne konnten Stücke locken, die Sammlerherzen höher schlugen ließen. Gitta Bierhinkel, Baden-Baden, bot eine phänomenale Lithografie von Emil Nolde („Fischerkinder“) an, ein handüberarbeitetes Unikat, für 135 000 Euro, das zahlreiche Interessenten anzog. Bei Hubertus Melsheimer, Köln, trafen sich viele neue Sammler. Die Berlinerin Carsta Zellermeyer offerierte traditionell Werke von Bernard Schultze und freute sich ganz besonders über einen leidenschaftlichen Neukunden, der eine Arbeit aus dem Spätwerk für 85 000 Euro erwarb. „Er kaufte nach Herz und Auge“, sagte die Galeristin, die außerdem Klassiker der Nachkriegszeit wie Eugen Batz, Hubert Berke und Petra Petitpierre anbot. „Es stimmt uns natürlich besonders froh, dass diese fast vergessenen Künstler seitens der Kunden so unvoreingenommen in ihrer Frische geschätzt und gekauft werden.“ Günther Zulauf, Freinsheim, lobte das angenehme Publikum. Er verkaufte alle Skulpturen. „Die Hälfte aller Kunden sind neu in unserer Kartei.“

Auftrieb auch bei der Berliner Galerie Nothelfer. Sein 40-jähriges Galeriejubiläum geriet zu einem Augenfest in musealer Präsentation. Dieses Jahr zeigte er weniger Informel, vielmehr brachte er beispielsweise mit großen Bildern von László Lakner einige Wiederentdeckungen mit. „Es besuchten uns viele gute Sammler“, fasste Georg Nothelfer zusammen. In der Halle 2 Zufriedenheit bei den Mönchengladbachern der Galerie Casteel. Ob Norbert Tadeusz oder Frank Bauer: „Erstaunlich, aber es waren durchweg Neukunden, die bei uns kauften“, sagte Thomas Casteel. Auch Walther Bischoff, Berlin, erzielte steigende Umsatzzahlen. Gerade seine koreanischen Positionen, Joungsook Kim ist eine von ihnen, stießen auf großes Interesse.

Die achte art KARLSRUHE bot gleichfalls viel Raum für außergewöhnliche Entdeckungen. So in Halle 1, wo Siegfried Sander, Multiple Box, Hamburg, eine hervorragende Ausstellung mit erotischer Fotografie zeigte. „Das ist die Messe, wo man sich am besten aufgehoben fühlt.“ Es betörten sehr schöne Vintage-Prints von Ica Vilander (1500 bis 1800 Euro), höchst artifizielle Arbeiten von Donata Wenders, der Frau des Regisseurs Wim Wenders (um 3800 Euro). Gerade in dieser Halle, in der überdies die Sonderausstellung zum Hans Platschek Preis zu sehen war, kuratiert vom Preisträger Werner Büttner, herrschte reger Betrieb. Der verdankte sich nicht zuletzt der exzellenten Auswahl von Modefotografien der Berliner Camera Work.

Angezogen hat die Qualität deutlich im Bereich der jüngsten Kunst, die in der dm-arena, Halle 4, Neue Positionen, zu finden war. Kein Wunder, dass der art KARLSRUHE-Preis des Landes Baden Württemberg und der Stadt Karlsruhe an einen Galeristen dort seine Preisträger fand: Jens Hanke, vertreten von der Galerie Hunchentoot, Berlin, überzeugte die Jury (Anja Kasser, Badischer Kunstverein, Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle, Karlsruhe, Elke Sieber, Leiterin des Kulturbüros im Kulturamt der Stadt Karlsruhe). Aus 212 One-Artist-Shows – ein Rekord – wählten die Spezialisten die herausragenden zeichnerischen Werkserien des 1966 in Leipzig geborenen Künstlers aus. Zum letzten Mal war der vom Senat geförderte „Berliner Block“, ART FROM BERLIN, dabei, etwa mit White Concepts. Gerade dieses Projekt zeitigt große Erfolge. Neben Hunchentoot wagten sich Wagner + Partner mit eigenen Kojen in den Betrieb. Erfrischend wild das Programm der Karlsruher Ferenbalm-Gurbrü Station, die einen Schwerpunkt auf das Künstlermuseum „Musée Igor Balut“, Paris, setzten.

„Die Messe ist für uns der Rahmen, Neues zu entdecken“, meint der Geschäftsführer des Niederrheinischen Kunstvereins, Jörg Happel. Am Stand der Galerie Holtmann, Köln, begeisterte er sich für die großformatigen Gemälde von Uta Päffgen. „Wir erleben eine neue Qualität von Kontakten“, bestätigt Nina Holtmann: „Es besuchen uns jetzt Kollegen ohne einen Stand in Karlsruhe. Sammler aus Köln reisen an, und ich stelle immer mehr Besuche von Kuratoren und Museumsleuten fest.“ Gesichtet wurden zudem Frieder Burda und Rüdiger Hurrle. Carsta Zellermeyer: „Unsere Kunden, die hier kaufen, kommen immer wieder. Auch unter den Kollegen gibt es persönliche Beziehungen. Hier herrscht eine gute und faire Stimmung.“ Zudem wächst auf Produzentenseite die Begeisterung für die Messe Jahr um Jahr. Die Künstlerin Lore Bert stellte nach ihren Rundgängen fest: „Es gibt immer mehr Qualität“.

Übrigens: Die neunte art KARLSRUHE findet vom 8. bis 11. März 2012 statt.

Quelle: www.art-karlsruhe.de