Die GEDOK-Bonn Kunstpreisträgerin 2011 zeigt Papierreliefs und Objekte aus Himalaya- und Japanpapier

Dazu schreibt die Künstlerin selbst in Ihrer Pressemitteilung:

„Zeitspuren“
In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich mit Spuren und Strukturen meiner unmittelbaren Umgebung auseinander; Strukturen kulturellen Ursprungs, wie Dekorations- und Ordnungsformen aus den verschiedensten (auch banalen) Zusammenhängen, also künstliche, von Menschen hinterlassene Spuren, aber auch Strukturen direkt aus der Natur.

Die spezielle Technik des Papierabgusses erlaubt einen direkten Zugriff auf diese Spuren, sie ermöglicht die Anfertigung von Formfragmenten im direkten Kontakt mit der Realität. Es entstehen Negativformen, die ich bearbeite und in neue inhaltliche und ästhetische Zusammenhänge bringe.

In meinen Arbeiten zum Thema Natur greife ich Naturformen auf, die vom Menschen bearbeitet wurden; Rohrmatten aus natürlichem, gewachsenem Material, aber doch ein Beispiel für vom Menschen „in Form gebrachte Natur“. Ich zeige Fragmente menschlichen Ordnungswillens, die bereits von Verfall und Auflösung gezeichnet sind: Einstmals vitale Lebenszeichen, unterliegen die Schilfrohre mitsamt dem Draht, der sie zusammenhält, dem natürlichen Verfallsprozess, der wiederum eine neue eigene Ästhetik in sich birgt.
Der natürliche Prozess des Vergehens / Verwelkens ist jedem Leben immanent, insofern ist die Natur dem menschlichen Schaffen immer überlegen. Ich ahme die Natur nicht nach, sondern lasse sie selbst „arbeiten“; die Natur selbst ist, im Sinne von Ästhetik, der größte Künstler.
Verschiedene Fragmente werden einander zugeordnet und mit farbigen Flächen oder Tableaus kombiniert. Die einzelnen Abformungen erscheinen im Formzusammenhang bekannt, vertraut, entwickeln aber durch die Materialität des Papierabgusses und seine farbige Bearbeitung eine abstrakte und malerische Qualität.
Ebenso verfahre ich mit den Abformungen von Strukturen direkt aus der Natur. Schafgarbe, bereits verwelkt und abgestorben, bestimmt die Oberfläche der Bildträger; die einzelnen Stängel erscheinen zwar aufgrund ihrer plastischen Abformung konkret, gleichzeitig nutze ich sie aber als formale Elemente eines Zeichensystems. In Kombination miteinander und mit malerischen Flächen verlieren sie die ursprüngliche Bedeutung und werden zu abstrakten „Zeichnungen“. Das Zusammenspiel zwischen Zufall und geplanter Ordnung vermittelt zwischen künstlichen, künstlerischen und natürlichen Prozessen.

Mit diesen Arbeiten lege ich Zeitspuren frei, die das Zusammenspiel von Leben – Vergehen oder Blühen – Verwelken assoziieren.
Meine Absicht ist, die Dinge außerhalb ihrer gewohnten Erfahrung sichtbar zu machen und eine vom Gefühl ausgelöste assoziative Betrachtung zu ermöglichen.

Ausstellungsort:
Galerie Riedel
67227 Frankenthal
Wingertstr.6