Otto Dix, Andreas Magdanz und der Kubus im Kunstmuseum Stuttgart

Bescheidenheit ist laut Volksmund bekanntlich eine Zier – »doch weiter kommt man ohne ihr«. Diese Einsicht hat auch Otto Dix früh beherzigt und darum selbstbewusst erklärt: »Die Neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden.« Tatsächlich kommt dem gebürtigen Thüringer eine zentrale Position innerhalb dieser Stilrichtung zu. Welche Variationsbreite und Bedeutungsvielfalt sich im Begriff der Neuen Sachlichkeit bündelt, zeigt das Kunstmuseum Stuttgart von 10. November 2012 bis 7. April 2013 in der Sonderausstellung »Das Auge der Welt. Otto Dix und die Neue Sachlichkeit« anhand von über hundert Werken von Otto Dix und anderen zeitgenössischen Künstlern wie George Grosz, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Franz Radziwill, Georg Scholz oder Franz Lenk.

Neben dieser großen Sonderschau – dies darf nicht aus falscher Bescheidenheit verschwiegen werden – bietet das Kunstmuseum Stuttgart ab 17. November zwei weitere Ausstellungs-Höhepunkte: Als der Fotograf Andreas Magdanz erfuhr, dass der 1975 eigens für den Prozess gegen die RAF-Mitglieder errichtete Gefängnisbau in Stuttgart-Stammheim abgerissen werden soll, entschloss er sich zu einem umfangreichen Fotoprojekt. Aus Hunderten von Aufnahmen, die während seines fünfmonatigen Aufenthalts in Stammheim entstanden, hat Magdanz für die Ausstellung im Erdgeschoss des Kunstmuseums eine Auswahl von Digitalfotografien zusammengestellt.

Zeitgleich kehrt ab 17. November auch die Stuttgarter Sammlung nach einem Jahr aus dem Kubus in die ursprünglichen Räume im Erd- und Untergeschoss zurück: Unter dem Titel »360°: Die Rückkehr der Sammlung« präsentiert Museumsdirektorin Ulrike Groos die Stuttgarter Kunstbestände in neuer Werkauswahl und Zusammenstellung, unter anderem mit noch nie gezeigten Werken von Joseph Kosuth und Arbeiten von Künstlern des Informel und der Konkreten Kunst. Für die Geduld während der Umbauphase, in der das Haus geschlossen bleiben muss, dankt das Museum seinen Besuchern mit einem »Willkommens-Wochenende« und gewährt am 17. und 18. November freien Eintritt in die Sammlung.