Kunstmuseum Stuttgart im Dezember 2012

Ein Auto ist nur ein Fortbewegungsmittel – und doch ist es nach einer aktuellen Studie des Instituts für Medien- und Konsumentenforschung für viele Menschen zugleich ein Symbol für Freiheit und Ungebundenheit. Ein Funktionsbau wie das Gefängnis in Stuttgart-Stammheim gilt bis heute als geschichtsträchtiges Symbol für Terror und Staatsgewalt. Der Kraft dieser symbolischen Aufladung gehen im Dezember zwei Ausstellungen im Kunstmuseum nach: Die Fotoausstellung „Stuttgart-Stammheim“ von Andreas Magdanz irritiert und beeindruckt allein schon durch den Kontrast zwischen der dokumentarischen Kühle seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen des berühmt-berüchtigten Gefängnisses und jenen von kollektiver Panik geprägten Wochen und Monaten im sogenannten Deutschen Herbst des Jahres 1977.

Der überraschende Anblick eines echten Autos im Untergeschoss des Museums wird auf die Besucher nicht minder eindrücklich wirken. Zumal wohl kaum jemand hierzulande mit dieser Automarke vertraut sein wird, auch wenn der „Peykan“ zu den beliebtesten Fabrikaten im Iran zählt. Auf ihrer Homepage berichtet die Künstlerin Anahita Razmi davon, dass ein gebrauchter Paykan, der im Iran etwa tausend US-Dollar kostete, 2009 bei einer US-Ebay-Auktion für den unglaublichen Preis von rund 40.000 US-Dollar angeboten wurde. Die 1981 in Hamburg geborene Künstlerin entschloss sich im Oktober 2010 in Teheran ein solches Fahrzeug zu kaufen und in einer zweimonatigen, von Schwierigkeiten geprägten Überlandreise nach Deutschland zu überführen. Dieses zur Ikone gewordene Fahrzeug bildet, zusammen mit einer Art Road-Movie über den Transfer und dem dazu notwendigen Wust an Exportpapieren und Schriftdokumenten ab 15. Dezember das Zentrum der jüngsten „Frischzelle“-Ausstellung.

Auf eine weniger strapaziöse, aber spannende Reise durch das Museum können sich Kinder ab sechs Jahren in Begleitung eines Erwachsenen in den Winterferien machen: Von 26. Dezember bis 6. Januar stehen an der Museumskasse die „Erlebniskoffer“ für zwei unterschiedliche Touren bereit, einmal durch die aktuelle Sonderschau „Das Auge der Welt. Otto Dix und die Neue Sachlichkeit“, einmal durch die Neupräsentation der Sammlung.

Zum Schluss noch ein Hinweis zum Jahreswechsel: An Heiligabend, am ersten Weihnachtsfeiertag und an Silvester bleibt das Kunstmuseum geschlossen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag sowie am 6. Januar ist das Museum von 10 bis 18 Uhr, an Neujahr von 12 bis 18 Uhr geöffnet.