Schinkel Pavillon zeigt Gelatin und Anna Ly Sing – Diskursive Konstruktion Kommunikative Destruktion

Gelatin_SchinkelPavillonDer Schinkel Pavillon präsentiert erstmals das österreichische Künstlerkollektiv Gelatin in einer institutionellen Ausstellung in Berlin. Die Ausstellung Diskursive Konstruktion. Kommunikative Destruktion beginnt mit einer viertägigen Performance. Die dabei vor Ort und vor Publikum von Gelatin und den eingeladenen Künstlern produzierten Skulpturen stellt der Schinkel Pavillon anschließend aus.

Gelatin lädt für die Ausstellung Diskursive Konstruktion. Kommunikative Destruktion 12 namhafte Berliner Künstler ein. Diese formieren sich zu der Künstlergruppe Anna Ly Sing. Täglich trifft das Kollektiv drei Künstler der Gruppe Anna Ly Sing im Schinkel Pavillon zu je vierstündigen Sitzungen. Die Künstler diskutieren vor dem Publikum über Skulptur und verdinglichen ihre Gedanken in ihrer persönlichen Handschrift. Zur Verfügung stehen ihnen Arbeitsplätze, ein umfangreiches Materiallager sowie Raum für Diskussionen. Gelatin gibt nicht vor, wie sich die einzelnen Performances entwickeln. Die Performances sind vielmehr als ein Nachdenken über Skulptur angelegt und ergeben sich aus dem Dialog mit den Gästen. Die Exponate der Ausstellung entstehen also im Prozess und als Kondensat dieses Dialogs, oder wie Gelatin erklärt: Aus dem Gespräch von Anna Ly Sing und Gelatin entstehen Skulpturen. Die Skulpturen wiederum füttern das Gespräch. Fragen. Destruktion. Konstruktion. Umlaufbahn. Achterbahn. Schnitt. Verdrehung. Umkehrung. Aufbau. Erosion. Klappstuhl. Verschüttung. Reflexion. Spiegel. Nichts und Alles und wieder Nichts. Die Skulptur wirft den Anker in den Kopf zurück. Am Ende der Performance gibt es 12 davon. Vorrausichtlich.

Von Gelatin angefragte Künstler: Karl Holmqvist, Katrin Plavcak, Gerwald Rockenschaub, Thomas Zipp, John Bock, Susan Philipz, Douglas Gordon, Josef Strau, Michele di Menna, Nora Schultz, Manfred Pernice, Daniel Richter, Anetta Mona Chisa und Lucia Tkacova, AA Bronson, Elke Krystufek, Thea Djordjadze, Michael Sailstorfer, Andreas Schulze, Rikrit Tirivanija, Anri Sala, Klara Liden, Simon Denny und Nairy Baghramian.

International wird das österreichische Künstlerkollektiv als Avantgarde gefeiert. Seit 1993 sprengen Wolfgang Gantner (*1968), Ali Janka (*1970), Florian Reither (*1970) und Tobias Urban (*1971) mit ihren künstlerischen Interventionen das Korsett kleinbürgerlichen Kunstkonsums, artikulieren in ihren Arbeiten klar eine ironische Haltung gegenüber dem Kunstmarkt. Das exzentrische Oeuvre Gelatins umfasst sowohl Performances, Vorträge und Happenings als auch Installationen, Skulpturen, Zeichnungen, Malerei, Texte und Videos. Den Betrachter macht das Kollektiv zum Zeugen eines ungenierten Exhibitionismus – die Künstler sind in ihren Arbeiten stets präsent – und konfrontiert ihn schonungslos mit seinen eigenen Urängsten, Trieben, Moralvorstellungen und Zwängen. Meistens agiert das Publikum sogar als Mitspieler, wenn Gelatin mit ihren Helfern auftauchen, als schwer verdauliche Masse situativ intervenieren und Spuren hinterlassen – so auch im Schinkel Pavillon.
Die Spuren werden bis zum 10. November zu sehen sein.

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ÖSTERREICHISCHES KULTURFORUM BERLIN

Schinkel Pavillon e.V.
Oberwallstrasse 1
10117 Berlin
Do. – So. 12-18 Uhr
www.schinkelpavillon.de