Galerie Max Hetzler zeigt Joan Mitchell zum ersten Mal in Berlin

Joan-Mitchell_Trees_1990-91EstateofJoanMitchellGalerie Max Hetzler eröffnet am 10. November eine Ausstellung mit Joan Mitchell in der Bleibtreustraße 45, Berlin-Charlottenburg. Zum allerersten Mal wird in Berlin ein außergewöhnliches Ensemble von Gemälden und Pastellen aus dem fast 50-jährigen Schaffen der Künstlerin gezeigt.

Joan Mitchell (1925-1992), eine der großen Malerinnen des Abstrakten Expressionismus, erlangte mit ihrer lyrisch-abstrakten Malerei schon früh Beachtung. 1951 nahm sie im Alter von 26 Jahren, neben Willem de Kooning, Jackson Pollock, Clyfford Still, Mark Rothko, Franz Kline, Philip Guston, Helen Frankenthaler u.a. an der Ninth Street Art Exhibition in New York teil.

Seit 1955 lebte Mitchell abwechselnd in New York und Paris. Sie stand in enger Beziehung zu Dichtern und Malern der New York School. Diese Verbindung erhielt sie auch nach ihrem Umzug nach Vétheuil im Jahre 1968, einer Kleinstadt in ländlicher Umgebung nahe Paris, wo sie bis zu ihrem Tod 1992 lebte und arbeitete, aufrecht. Mitchells Bekenntnis zu den Grundsätzen der gestischen Abstraktion blieb ihr ganzes Leben lang beständig und kompromisslos, wie in den ausgestellten Bildern deutlich wird. Eine dichte und eindrucksvolle Komposition charakterisiert das frühe Gemälde Untitled aus dem Jahre 1951, während die Arbeit Untitled aus dem Jahr 1958 eine stürmisch-ausdrucksstarke Oberfläche abbildet und Le chemin des écoliers aus dem Jahr 1960 die angedeutete Inspiration durch französische Landschaften nur trügerisch vortäuscht. Nach 1960, während einer schwierigen Lebensphase, vollendete Mitchell eine Reihe sehr intensiver Gemälde, in denen die farbenfrohen, rhythmischen und gleichmäßigen Pinselstriche mittig in eine konzentrierte, trübe, dunkle Masse übergehen. Das Jahr 1964 markiert den Höhepunkt dieser von ihr als „black-paintings“ bezeichneten Werke.

In den 70er und 80er Jahren diente Joan Mitchell die vielfältige Natur der französischen Landschaft als Inspirationsquelle für ihre Arbeit, wie auch in einigen Titeln deutlich wird: Green Tree (1976), Red Tree (1976), Tilleul (1977). Mitchell komponiert ihre Bilder dabei immer durch Rückerinnerung an Empfindungen und Farben. Schon in einem Interview im Jahre 1958 mit John I.H. Baur sagte sie: „Meine Bilder erhalten ihre Titel, sobald sie vollendet sind. Ich male nach Landschaften aus meiner Erinnerung, die ich bei mir trage – und Gefühlen, die natürlich transformiert werden. Ich könnte die Natur sicher niemals wiedergeben. Lieber male ich, was sie bei mir im Gedächtnis hinterlässt.“ Der Einfluss der französischen Impressionisten, aber auch von Van Gogh und Cézanne kommt in ihren Werken mehr oder weniger implizit zum Ausdruck. Im letzten Jahrzehnt ihres Lebens, in dem sie an Krebs leidet, malt sie große Zyklen, wie La Grande Vallée und konzentriert sich schließlich nach ihrer Operation auf die Pastellmalerei (Untitled, 1991). Ihre monumentalen Gemälde von 1990-91 (Sunflowers und Trees, siehe Abb.) zeugen von einem gesteigerten Freiheitsgefühl und bringen die frische, spontane Energie zum Ausdruck, die Mitchells Werk auszeichnet.

Obwohl Mitchell während ihrer gesamten Lebenszeit eine erfolgreiche, herausragende Persönlichkeit war, hat ihr Gesamtwerk erst spät die Anerkennung erfahren, die ihm zusteht. Sie spielte zudem eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Malern einer jüngeren Generation, von denen viele eingeladen wurden, mit ihr in Vétheuil zu arbeiten. Ihr künstlerisches Vermächtnis wird heute von den bedeutendsten internationalen Institutionen gewürdigt.

Dies ist die erste Ausstellung von Joan Mitchell in der Galerie Max Hetzler, in Zusammenarbeit mit der Joan Mitchell Foundation und Cheim & Read, New York. Es erscheint ein Katalog mit einem Aufsatz von Christoph Schreier bei Holzwarth Publications, Berlin.

Joan Mitchell wurde 1925 in Chicago geboren und starb 1992 in Frankreich. Ihre Werke sind in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten. Sie stellte 1958 auf der Biennale in Venedig aus, 1959 auf der Documenta II und seit den 1950er Jahren in mehreren historischen Gruppenausstellungen in Europa und Amerika. Die größten Retrospektiven ihres Gesamtwerks wurden seitdem u.a. präsentiert im Whitney Museum, New York; Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris; Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris; Newport Harbor Art Museum; IVAM, Valencia; Birmingham Museum of Art; Modern Art Museum of Fort Worth; The Phillips Collection, Washington; New Orleans Museum of Art; Kunsthalle Emden, Germany; Palazzo Magnani, Reggio Emilia, Italy; Musée des Impressionnismes, Giverny und dem Walker Art Center, Minneapolis.
Joan Mitchell
10. November 2013 – 18. Januar 2014
Eröffnung: 10. November, 11-17 Uhr
Bleibtreustraße 45, Berlin-Charlottenburg