Moki: WALDEN

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Vernissage: Freitag, 02. Mai 2014, 18 – 21 Uhr
Ort: Galerie Bergwasser, Grolmanstr. 16/16A, 10623 Berlin
Die Künstlerin wird anwesend sein.
Ausstellung: 3. Mai – 14. Juni 2014
Öffnungszeiten: Di bis Fr 10 – 18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr u.n.V.

Mit WALDEN präsentiert Galerie Bergwasser erstmals großformatige Acrylbilder der deutschen Künstlerin Moki.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschließt der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau sich von einem Leben in der Zivilisation zu verabschieden und über einen Zeitraum von zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen alleine in einer Blockhütte zu leben. Um der aufkommenden Industrialisierung amerikanischer Städte zu entkommen, ein tieferes Verständnis für die Gesellschaft zu gewinnen und eine einfache und nachhaltige Lebensweise zu erproben, zog es Thoreau in die Wälder bei Walden Pond, Concord, Massachusetts. Seine in diesem Zeitraum gesammelten Erfahrungen, Gedanken und Einsichten fasste er in dem 1854 publizierten Buch Walden zusammen.

Die Ausstellung WALDEN erinnert nicht nur durch den Titel an Henry David Thoreaus Buch, sondern ist auch inhaltlich mit der Idee von Thoreau verbunden. In ihren Acrylbildern zeigt uns die Künstlerin Moki zusammengezimmerte Unterstände, Wurzelhütten, Verstecke – Orte der Zuflucht, des Schutzes aber auch der Einsamkeit und Stille. Schon in ihrer letzten Serie Shel¬ter, die in der Doppelausstellung Vergessene Orte in der Galerie Bergwasser zu sehen war, befasste sich Moki mit der Thematik wie sich der Mensch seinen eigenen Schutzraum schafft, wie er sich vor äußeren Widrigkeiten aber auch vor inneren Ängsten und Zweifeln schützt. In WALDEN führt die Künstlerin diese Thematik fort und zeigt uns die Sehnsucht des Menschen nach einem naturverbundenen, einfachen und nachhaltigen Leben. Stand der Mensch in der Serie Shelter noch mehr im Mittelpunkt ist in ihren neuen Bildern vor allem die Abwesenheit des Menschen auffallend. Tritt er doch in Erscheinung, scheint er fast mit seiner
Umgebung zu verschmelzen und zu verschwinden.
Der Wunsch zu verschwinden, sei es aus sozialen, idealistischen oder ökonomischen Gründen, dem hektischen Alltagsleben in überfüllten Großstädten den Rücken zu kehren, ist kein neues Phänomen, hat in unserer heutigen Gesellschaft jedoch immer mehr an Bedeutung gewon¬nen. Wie bei dem 22-jährigen Studenten Christopher McCandless aus Washington D.C., der 1990 sein privilegiertes Leben gegen ein Leben ohne Besitz und festen Wohnsitz eintauschte und am Ende seiner Reise allein in der Wildnis Alaskas landete (Verfilmung: Into the Wild, 2007). Ähnliches lässt sich auch in den Arbeiten des Fotografen Alec Soth finden, der für seine Film- und Fotoprojekte Somewhere to disappear oder Broken Manual Menschen aufsuchte, die sich aus der Gesellschaft zurückgezogen haben. Diese Thematik, die Moki mit ihren neuen Arbeiten aufgreift, hat gerade heute eine stärkere Brisanz als je zuvor. Wie geht der Mensch mit der zunehmenden Vernetzung um? Welche Auswirkungen hat die ständige
Informations¬flut auf unser Gehirn? Wie gehen wir um mit der Möglichkeit jederzeit und überall erreichbar zu sein, und so auch immer verfügbar zu scheinen?
Schon Thoreau fragt am Ende seiner Aufzeichnungen: „[…] Why should we be in such despe¬rate haste to succeed and in such desperate enterprises? If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away.“ […]*
Auch wir müssen uns fragen, welcher Trommel folgen wir eigentlich noch, unserer eigenen oder der der anderen? Diesem Zustand zu entkommen, seinen eigenen Weg, sein eigenes Tempo zu finden auch
davon handeln Mokis Bilder. Sie eröffnen uns einen Blick in eine Welt, die wir im Rausch des Alltags kaum noch wahrnehmen können, eine Welt an der Schnittstelle von menschlicher Kultur und unberührter Natur. Es scheint als hätten wir die emotionale Verbindung zur Natur verloren und diese durch die Gesetze des Marktes ersetzt. Die Welt, die Moki uns in ihren Bildern zeigt, ist eine andere, eine die nicht bestimmt ist durch Technik oder Konsum. Dabei will die Künstlerin keine eskapistischen Lösungsmodelle aufzeigen. Es geht viel mehr um eine Besinnung auf Wesentliches, ein Zu-sich-kommen. Die Stärke der Bilder liegt in ihrer Kraft uns zu entführen, an Orte, die weitab unseres Alltags liegen.
So wie Moki in ihren Bildern den Wald besucht, so begibt sich auch Kafka Tamura aus Mura¬kamis Kafka am Strand in den Wald, um sich wie in einer Metapher sich selbst zu nähern: „Das Prinzip des Labyrinths spiegelt dein eigenes Inneres wider, das wiederum ein Spiegel der labyrinthischen Eigenschaften deiner Außenwelt ist.“ „Eine Metapher“, sage ich. „Genau. Eine reziproke Metapher. Das, was außerhalb von dir ist, projiziert sich auf dein Inneres, und umgekehrt. Durch das Betreten eines äußeren Labyrinths gelangt man häufig auch in das innere Labyrinth.“**

Moki (*1982, Brilon, Deutschland) ist eine deutsche Malerin, die vor allem durch ihre gemalten Traum- und Fantasiewelten bekannt geworden ist. Sie hat an diversen internationalen Ein¬zel- und Gruppenausstellungen teilgenommen, zuletzt an der Wanderausstellung Wandering Ghost in der Central Library Reykjavik in Island, an Patchwork in der Think Space Gallery in Los Angeles, USA, und an der Doppelausstellung Vergessene Orte in der Galerie Bergwasser in Berlin. 2006 gewann sie den Comicpreis Sonderman für ihre Arbeit Asleep in a foreign place und den ICOM Independent Comic Preis in der Kategorie „Herausragendes Artwork“ für Borderland.

*Henry David Thoreau, Walden.
(deutsch: „[…] Wozu diese verzweifelte Jagd nach Erfolg, noch dazu in so waghalsigen Unternehmungen? Wenn ein Mann nicht (Gleich)-Schritt mit seinen Kameraden hält, dann vielleicht deshalb, weil er einen anderen Trommler hört. Lasst ihn zu der Musik marschieren, die er hört, in welchem Takt und wie fern sie auch sei. […]“).
**Haruki Murakami‚ Kafka am Strand, S. 478.

Kontaktdaten:
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Firmenportrait:
Uns, den Gründerinnen Jing Liu und Yaxin Yang, ist ein kultureller Austausch zwischen Deutschland und China wichtig. Denn bisher beherrschen Stereotypen, gängige Sehgewohnheiten und zumeist vorgefasste Meinungen auf beiden Seiten den Diskurs. Sie sollen durch die Präsentation innovativer und überraschender Kunstobjekte, Kunstbücher und Designprodukte verändert werden. Der Dialog der Menschen beider Länder wird um die eher leisen und besonderen kulturellen Zwischentöne bereichert. Die Galerieräume in der Grolmanstraße in Berlin-Charlottenburg sollen dafür als Ort der Begegnung und Entspannung dienen.

Das Programm der Galerie setzt sich aus chinesischen sowie deutschen Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart zusammen. Die Galerie präsentiert insbesondere junge Kunst, die erstmals in Berlin zu sehen sein wird.
Begleitend zu den Themen der Ausstellungen und Buchpräsentationen werden Workshops und Lesungen angeboten.

Im Bergwasser Designshop zeigen wir Designobjekte sowie Kleinmöbel aus China und Deutschland. Die Auswahl wird bestimmt von höchster künstlerischer Qualität, nachhaltiger Produktion, ökologischen Aspekten, Individualität und Kreativität. Der Schwerpunkt liegt auf chinesischen Designerinnen und Designern, deren Arbeiten in Berlin erstmalig zu erwerben sind. Das Sortiment wird um eine kleine Selektion an Tee aus kontrolliert biologischem Anbau aus Asien erweitert.
Des Weiteren bieten wir unter dem Label Bergwasser Design unsere eigenen Designprodukte an.