Neben Brandenburger Tor und Feuerwerk auch mal Dali, Kirchner, Condo und Herrmann – Berlin zum Jahreswechsel

herrmann_1
„Kaspar, Melchior und Baltasar holen mal eben Zigaretten“ Repro: Hans-Wulf Kunze

Berlin ist ja immer eine Reise wert. Neben den „üblichen“ baulichen Touristenhighlights lockt es viele Besucher zum Jahreswechsel in die Bundeshaupstadt. Endlich mal am Puls der Zeit feiern, endlich mal das dicke „B“ in seiner vollen Pracht erleben und endlich mal um Null Uhr der Welt da Draußen ein Frohes neues Jahr live vom Bandenburger Tor zurufen. Wer’s braucht solls haben, bitte schön! Wir vom Kunstmelder hingegen biegen lieber ab und zeigen Ihnen an dieser Stelle was Sie vor und nach der grossen Sause an sehenswerter Kunst in der deutschen Metropole erblicken können.

Dali – die museale Dauerausstellung mit über 450 Exponaten in Berlins pulsierender und medienwirksamer Mitte ermöglicht dem Besucher einen umfangreichen Einblick in Salvador Dalís virtuose und experimentierfreudige Meisterschaft in nahezu allen Techniken der Kunst. Salvador Dalí gilt als einer der genialsten Künstler der Moderne, der seine Werke und sich selbst auf spektakulärste Weise inszenierte. Vielleicht kommt einem die tickende Silvester-Uhr ja mit ein paar Sekt intus dann auch vor wie Dalis Meisterwerk „Die Betändigkeit der Erinnerung“.

Der Hamburger Bahnhof präsentiert vom 23. September 2016 bis 26. Februar 2017 sämtliche Werke Ernst Ludwig Kirchners aus dem Bestand der Nationalgalerie. Zeitgenössische Arbeiten von Rosa Barba und Rudolf Stingel ergänzen die Ausstellung „Hieroglyphen“. Ernst Ludwig Kirchner spricht in Bezug auf seine Großstadtbilder von „Hieroglyphen als Ausdruckszeichen“. Malerei ist für ihn ein Akt der Übersetzung: Der Maler bringt die Großstadt und ihre Figuren skizzenhaft, mit groben Strichen und bunten Farben auf die Leinwand. So sind seine Figuren, wie die Damen am Potsdamer Platz, als Symbole zu verstehen: Die vielen visuellen Eindrücke sind reduziert auf Details wie Hüte, Schuhspitzen und Brückenbögen und bilden so die malerische Welt Kirchners. Skizzenhaft wohl auch die Erinnerungen am Tag Eins nach 2016…

Das Museum Berggruen zeigt mit den Werken George Condos seine erste große Ausstellung zeitgenössischer Kunst seit seiner Gründung. Vom 19. November 2016 bis 12. März 2017 kann die Werkschau des US-amerikanischen Malers, geprägt durch groteske Bildfindungen in Akt, Stillleben und Portrait, besichtigt werden. Alle Räume des Museums und ein Großteil der Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen werden erstmals öffentlich gezeigt. Dabei versteht die Ausstellung die Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts als einen beweglichen Prozess von Bezügen und Traditionen. Traditionen, die im Gegensatz zur alljährlichen Tradition sich mit Tausenden von Menschen durch und in das neue Jahr zu quetschen verständlich scheinen.

Allen die Ihre Heimfahrt auf der A2 antreten seien Peter Herrmanns Malergrüße aus Berlin vom 31. Oktober 2016 – 12. März 2017 im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg ans Herz gelegt. Peter Herrmann malt Figuren, Stadtszenen und Alltagsbegebenheiten, kommt dabei dem frühen Ernst Ludwig Kirchner und Henri Rousseau nahe, ist vielleicht spielerisch wie die Jungen Wilden und bleibt dennoch völlig eigenständig. Mit seltener Leichtigkeit gelingt es ihm, ganz unterschiedliche Ereignisse und Zeiten mit der Gegenwart zu verbinden. Als Ergänzung und Vervollständigung der Berliner Eindrücke eine klasse Idee wie wir finden. Eine ausführliche Rezension der Ausstellung finden Sie hier: http://blog.clickandprint.de/leinwand/flache-kunst-auf-leinwand