Nachtwind und B. (Bonfranchi)

Nach 250 Fachaufsätzen in diversen Fachzeitschriften und Zeitungen sowie elf veröffentlichten Fachbüchern präsentiert Riccardo Bonfranchi seinen ersten Roman «Nachtwind und B.». Junge Menschen und vor allem Mädchen stehen heute enorm unter Druck, sie sollen die besten Noten in der Schule bekommen, beliebt sein, Hobbys mit Wert haben und schon frühzeitig wissen, wo es nach dem Studium oder der Ausbildung hingeht – am besten mit diversen Praktika und Auslandsreisen belegt. Wer soll das schaffen und dem familiären, gesellschaftlichen und selbstgeschaffenen Druck standhalten? Das gelingt Erwachsenen schon kaum, wie soll es da ein Mensch schaffen, der gerade erst herausfindet, wer er eigentlich ist? In «Nachwind und B.» lernt der Leser ein Mädchen kennen, das sich selbst in dieser Spirale sieht und sich nicht mehr zu helfen weiß: 18 Jahre, noch nicht erwachsen, aber auch kein Kind mehr – ein Mädchen, das mit dem Leben, der Schule, den Eltern, den «peers» nicht mehr klar kommt und den Lebensmut verloren hat. Es weiß nicht, warum es auf dieser Welt ist und greift in seiner Verzweiflung zum Alkohol. Sie sucht Hilfe und so kommt es zu einem E-Mail-Austausch mit einem psychologischen Berater, der sich auf seine Art und Weise darum bemüht, das Mädchen zu stabilisieren und ihm aufzuzeigen, dass es immer wieder Dinge und Menschen gibt, die es zu leben, zu erleben lohnt. Im Laufe der Zeit finden die beiden zu gemeinsamen Interessen, es ergibt sich ein Frage- und Antwortspiel, in dessen Verlauf das Mädchen erkennt, dass es selber gerne schreibt und so beginnt es, Texte zu verfassen, die es ihrem Berater schickt.Ein Jahr im Leben zweier Menschen und deren E-Mail-Postfach!
Eine Lesermeinung: Die Geschichte mit Nachtwind und B. bewegt, ist geistreich, spannend und unterhaltsam. Das Buch beschreibt einen Mail Verkehr während einem Jahr zwischen einer problembeladenen jungen Frau, mit dem Namen Nachtwind, und einem älteren psychologischen Berater, mit dem Initial B. Die harten Schicksalsschläge, die Nachtwind durch die Geschichte hindurch mitmacht, berühren den Lesenden. Die Dinge geschehen unerwartet und überraschen immer wieder, es wird nicht langweilig. Die junge Frau gibt sich manchmal durchtrieben, manchmal emotional labil, manchmal belesen, immer aber bedürftig für den Austausch und das Interesse von B. Nachtwind ist eine intelligente und gebildete junge Erwachsene. Die Beiden ergänzen sich in ihren Dialogen wie in einem Pingpong Spiel, der Ball rollt. Die vielen philosophischen Begleitgedanken über Suizid, Selbstverletzung, Versöhnung, Gewalt und Beziehungen bieten wertvolle und vertiefte Diskussionen zu Fragen und Antworten auf die schwierigen Lebensthemen von Nachtwind. Die Mail Beiträge sind manchmal lustig, manchmal frech und provozierend, manchmal traurig und verzweifelnd, dann wieder mutig und vorwärtsgehend. Immer verspürt man als Leser die Fürsorge und Empathie von B., er bleibt Nachtwind gegenüber konstant interessiert und respektvoll. Das Ende, ohne Details vorwegzunehmen, ist überraschend. Es ist, als ob Wunden wieder geöffnet werden, die im Verlauf des Mail Verkehrs auf gutem Weg der Heilung waren. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Zum Buch: Nachtwind und B. von Riccardo Bonfranchi, 370 Seiten, 20,50 Euro, ISBN: 9783038831310 Zum Autor: Dr. paed. Riccardo Bonfranchi, geb. 1950, ist Diplompädagoge mit Schwerpunkt Sonderpädagogik und Sonderschullehrer. Seit 1964 betreibt er Judo und nahm als aktiver Sportler von 1965-1983 an Wettkämpfen teil. An der Deutschen Sporthochschule Köln ausgebildeter Fachsportlehrer Judo. Heute arbeitet er als diplomierter Judolehrer im Ausbildungsteam des Schweizerischen Judoverbands und ist Leiter einer heilpädagogischen Schule in Zürich. Mehr zum Buch und Autor erfahren Sie auf der Seite https://literaturgesellschaft.ch/produkt/nachtwind-und-b-bonfranchi/