Heute ein König – Tag 2 auf dem Open Flair 2026
Im Bulli zu übernachten ist wundervoll, aber eine richtige Dusche fehlt zu Beginn des zweiten Tages auf dem Open Flair doch schon sehr. Die Idee, mit dem mitgebrachten Fahrrad zum nahe gelegenen Freibad zu
fahren, entpuppt sich als waschechter Frühsport. Gefühlt scheint das kühle nass auf dem höchsten Punkt Eschweges zu liegen. Angekommen werde ich fürstlich entlohnt, denn das sehr moderne Naturbad lädt zum verweilen ein. Abtauchen, den letzten Abend noch mal Revue passieren lassen und den neuen planen.
Frisch geduscht rolle ich zurück zu meiner Ausgangsbasis, um mich stadtfein zu machen. Nach einem leckeren Schnitzel im Gasthaus zur Krone bewege ich mich langsam zum Campingplatz. Heute ist es windig, teilweise so windig, dass sich Windhosen auf dem Campground bilden und Pavillons mit sich in die
Luft reissen. Das tut der überschwänglichen Stimmung, hier aber überhaupt keinen Abbruch. Party aller Ortens, reichlich Kostümierungen und eine Art von friedlicher Anarchie, die man nur genießen kann. Die erste Band heute heißt Kapa Tult aus Leipzig.
Eine erfrischende Brise Musik und damit ein schöner Auftakt des zweiten Tages. Gleich danach stürmen die maskierten Bluthund auf die Seebühne. Eine Band, die bei mir völlig unter dem Radar, lief, und nun regelrecht umhaut. Was für eine Energie, was für eine Performance,
was für kluge Ansagen und was für ein köstlicher Humor. ich fühle mich emotional voll mitgenommen und könnte regelrecht weinen vor Glück, diese Combo live erlebt haben zu dürfen. Ich hoffe nur, dass sich der Sänger beim klettern auf die Balustrade zukünftiger Bühnen niemals so schwer verletzen wird, dass die Berliner den
musikalischen Betrieb einstellen müssen. Einfach nur genial und für mich das absolute Highlight dieses Tages. Danach schaue ich noch einigen Skatern zu, die hier ein offiziellen Freestyle Wettbewerb abhalten. Coole Idee. Zurück vor der Bühne lasse ich die Formation From Fall To Spring auf mich wirken. Obwohl die Riffs eingängig und der Gesang perfekt performt wird, ploppt in mir unweigerlich der
Vergleich zu LINKIN PARK auf. Da meine Verehrung für Chester Bennington groß ist, kann ich mir diese darauf basierenden Gesangsimitationen nicht ganz so lange zu Gemüte führen. Es folgen PA69, die sich sicher in ihrem Genre des Hip-Hop bewegen und die tobende Meute voll im Griff haben. Aber auch hier fühle ich mich im Gegensatz zu den anderen Tausend nicht abgeholt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich meinen Königsmoment mit Bluthund heute schon hatte. Danke Flair für genau das. So etwas passiert mir tatsächlich nur hier. Ich liebe es.