BlogMusik

Neu, nostalgisch, nahbar – Fury In The Slaughterhouse auf der Waldbühne Northeim

Ich sag es ja immer wieder: Nostalgie ist eines der stärksten Gefühle überhaupt! Und, sie ist der Grund, warum ich mich heute auf den Weg nach Northeim in Richtung Waldbühne begebe. Fury in the Slaughterhose, das Hannoveraner Urgestein ist zu Gast auf einer der schönsten Bühnen der Gegend und lockt neben mir 6.000 weitere Besucher in die Kreisstadt. Ganz bequem lassen wir uns von einem der vielen Busshuttles zum Rande des Wieterwalds fahren und begeben uns dann auf eine romantische Wanderung entlang von Lichterketten hoch zur Waldbühne. In der geschichtsträchtigen Naturarena habe ich seit Jahrzehnten kein Konzert mehr besucht und bin um so beeindruckter als wir den Eingang passieren. Wie ein grünes, griechisches Theater auf dessen “Proskenion ” sich die Vorband “Pohlmann” bereits in Stellung bringt. Wobei Band zuviel gesagt ist, denn der Singer-Songwriter Ingo Pohlmann seht, da seine Mitmusiker verhindert waren,  allein mit seiner Gitarre auf der Bühne. Dieser Umstand spielt dem versierten Künstler aus Rheda-Wiedenbrück dennoch in die Karten. Hochsympathisch, mit amüsanten Geschichten in petto aber vor allem stimmgewaltig weiss er das Publikum mit seinen Hits „Der Junge ist verliebt“ oder “Wenn jetzt Sommer wär” zu begeistern. Dann pünktlich um 20:00 Uhr ist es soweit, die Helden meines jungen Erwachsenseins entern die Bühne. Auch wenn mittlerweile nicht mehr in Orignalbesetzung, so ziehen die Jungs aus der Leinestadt mich und all die anderen gleich in ihren Bann. Ein bildgewaltiger Hintergrund und ein Kai Wingenfelder, der sich unter den panischen Augen der Securitys während einiger Songs auf eine lange Reise durch das Publikum macht. Nahbar, trifft es bei dieser Band wohl am ehesten, denn das waren sie auch schon zwei jahre nach ihrer Gründung, als sie bei uns um die Ecke in der legendären Duderstädter Musikwerkstatt zu Gast waren. Ein Jahr später, genau an meinem Geburtstag durfte ich Fury dann schon im Jahnstadion Göttingen zusammen mit Status Quo und Saga zujubeln, bis sie mir dann in der Outpost Göttingen 1991 zum vorerst letzten Mal begegnen sollten. Auch wenn sich unsere Wege damals getrennt haben, so laufen sie an diesem Abend in Northeim wieder mit voller Wucht zusammen. Die neuen Stücke des aktuellen Albums haben absolutes Hitpotential was die beachtlichen Erfolge im Radioäther beweisen, doch die Klassiker gehen über den rythmischen Bewegungszwang hinweg und lassen in mir viele, viele Erinnerungen aufsteigen. Wenn man in die Arena schaut, bin ich wahrlich nicht der einzige. Ein Meer an winkenden und klatschenden Händen ist der Beweis, dass fast jeder hier an Kellerpartys, DGH-Feten oder Clubabende in den 90er Jahren denkt. Kein Wunder, wenn Songs wie “Every Generation Got Its Own Disease”, “Radio Orchid”, “Time to Wonder” oder der “Gassenhauer Won’t Forget These Days” einem durch die Gehörgänge wabern. Was für ein stimmer und von den Veranstaltern perfekt organisierter Abend. Fast vierzig Jahre Fury, da geht noch immer viel! Lasst sie hochleben die alte Zeit aber vergesst nicht mit den neuen Songs wie „Fix This Crack“ oder „Viva La Revolución“auch nach Vorne zu schauen. Ein würdiger Abschluss der “Twenty Six Tour”.