Von einzigartigen Funkenflügen und glitzernden Highlights: das Open-Flair 2010

Allein eine Fahrt durch das Werra-Tal ist aufgrund der wunderschönen Landschaft mehr als sehenswert. Wenn man jedoch mit dem Ziel „Open Flair 2010“ über die Nordhessischen Straßen fährt erhöht sich die Glückseligkeit um das Vielfache. Wie jedes Jahr strömen tausende Flair-Fans auf das Werdchen um das etwas andere Festival zu geniessen. Kaum hat man die Stadt durchquert breitet sich die riesige Zeltstadt vor einem aus. Grillgeruch strömt durch das Autofenster und gutgelaunte Menschen streifen durch die Wiesen. Wir sind da, endlich wieder Flair. Auf dem Gelände angekommen werden wir von dem mächtigen Sound Skindreds begrüsst. Die Fusion von Reaggea und Metal geht direkt ins Ohr. Der Wunsch nach Drads und ventilatorartigen Kopfbewegungen keimt kurz auf. Das Wetter scheint zu halten und beim ersten Gang über den Platz hält das Flair was wir uns davon versprochen haben. Familiäre Atmosphäre trotz ausverkaufter Eintrittskarten. Auf dem Sportplatz tummeln sich Groß und Klein und lassen sich durch extravagante Spielgeräte, wie der Riesen-Kugel „Zorb“ und das laufende Animationsprogramm begeistern. Vor der Freibühne wehen indess die T-Shirts aller Zuhörer von 3 Feet Smaller durch die Lüfte. Die Österreicher versetzen durch Ihre kessen Sprüche und ihren selbstdefinierten Bowling-Punk das Publikum in wilde Extase und schaffen einzigartige Momente. Die T-Shirts wieder am Leib, geht es los zur Seebühne, K„s Choice laden zum Revival. Doch bevor die Emo-Helden der 90er die Bretter betreten bleiben wir vor der kleinsten Bühne der Welt stehen. Die Wohnraumhelden geben als mobiles Einsatzkommando ein gemütliches Akkustik-Konzert vor dem nächsten Haupact. Vielfalt, die es nur auf diesem Open-Air gibt. Kaum ist das letzte Lied um das Thema „Fleischsalat“ verstummt, übernehmen die Bettens-Geschwister die Show und lassen uns an Ihrem gefühlvollen Programm teilhaben. Grandios emotional, typisch K`s Choice. Nach der Show ist vor der Show – und wir stehen nach diesem musiklaischen Act vor nächtlichem Feuerspektakel, das uns optisch auf die nächste Achterbahn der Gefühle katapultiert. Ein Theater der Funkenflüge an deren Ende uns gleich wieder die nasalen Klänge des Jan Delay von der Hauptbühne locken. Ein hastiger Marsch auf den Festivalplatz wird durch die grandiose und glitzerende Showeinlage des Hamburger Soul-Rappers belohnt. Songs wie „Oh Jonny“ oder „Disko“ verlangen den Festivalbesuchern die letzten Kraftreserven ab und lassen uns zufrieden in die Schlafsäcke einrollen.
Tag 2 widmen wir den Dingen neben der Musik und sind auf der Suche nach der bildenden Kunst auf diesem Festival. Schon im Eingangsbereich fallen die Blicke auf ein mehr oder minder liebevoll zusammengefügtes Objekt. Vor uns liegt ein Dosenhund angeleint am Werraufer. Der Hundehalter berichtet stolz über sein Fiffie und hat sich für Tag 3 eine Bulldogge aus größeren Getränkebehältern auf die Fahne geschrieben. Ein Bummel durch die Kultur der Stände lässt uns am Greenpeace-Stand verweilen, der zum Malen einlädt. Hier können Sperrholzabbilder eines der bedrohtesten Tiere dieser Welt kreativ bemalt werden. Jedes Kunstwerk eines Orang-Utans soll zur Rettung seiner realen Artgenossen beitragen und wird als kreative Objekt-Unterschriftensammlung an die Bundesregierung gesendet. Eine tolle Aktion von Green Peace – Art rettet Arten. Zudem findet man unter den Besuchern jede Menge Kunstvolles. Allein so manches Outfit erinnert mehr an die Karnevalssaison als an ein Sommer-Open-Air. Aber so ist das – gesehen und beschmunzelt werden heisst das Motto dieser Veranstlatungen. Am Abend versüssen die Hives mit Ihrem lupenreinen RockNRoll den Abend.
Tag 3 begnnt mit Regen und zahlreichen Acts der Extra-Klasse. Papa Roach, Bad Religion und am Ende Fettes Brot lassen das schlechte Wetter aber niemals das Event Open Flair 2010 vergessen machen. Ein Fest das bleibt und beim Verlassen der das Herz ein wenig schwer werden lässt. Ein Lichtblick bleibt: Kein Jahr mehr bis zum nächsten Flair. Wir können es kaum abwarten.