Genuß auf der dunklen Seite – „Dinner in the Dark“ in der Obstweinschänke Vierbach

Essen gehen ist ja irgendwie immer was besonderes, oder sollte es zumindest sein. Wir sind im Netz auf ein ganz extravagantes Genuss-Event gestoßen, dem „Dinner in the dark“ in der Obstweinschänke zu Vierbach.
Schon die Anreise ist düster und der Regen bei Temperaturen um Null Grad macht die Fahrt durch die Nordhessischen Wälder zu einer Art Vor-Abenteuer. Wir erreichen das 300-Seelen Dorf im Werra-Meißner-Kreis dennoch pünktlich um 19:00 Uhr und betreten die Obstweinschänke der Familie Knieps. Schon der Außenbereich mit seinem Biergarten sieht sehr einladend aus und ist in den wärmeren Monaten des Jahres bestimmt eine weitere Reise wert. Doch heute heisst es in den Räumlichkeiten des Lokals Platz nehmen. Harry Knieps, der Chef und Koch des Hauses begrüsst uns und die anderen Gäste zusammen mit seinem Sohn Jonas sehr freundlich und locker. Man ist gleich per du und bekommt einen geschichtlichen Abriss zum Werdegang serviert. Vor 11 Jahren entschloss man sich diese Gastronomie im Ort zu eröffnen und die Erinnerungen gemeinsamer Reisen in die Karibik in Form einer grossen Sammlung selbstgemalter Bilder in das Konzept mit einzubeziehen. So bekommt das urige Flair der Schänke durch den Wandschmuck die spezielle bunte Note und Blickpunkte zum verweilen. Doch all diese Eyecatcher interessieren in Kürze nur wenig, denn nach einem Sektempfang und einer kurzen Einweisung geht es einzeln an der Hand der Gastgeber an die Tische in den in völliger Dunkelheit liegenden Raum der nun zum Ort des Geniessens werden soll. Ein wenig aufgeregt bin ich schon und leichte Ansätze von Panik eleminiere ich sofort durch das Abtasten meiner Umgebung. Als ich herausgefunden habe was auf dem Tisch steht und wer mit uns am Tisch sitzt sinkt mein Puls weiter. Mit dem Pärchen am Tisch haben wir beim Aperitif vor der Tür schon kurz geredet und kommen durch die ungewohnte Situation schnell wieder ins Gespräch. Das hilft ungemein um sich von der Dunkelheit abzulenken und ist zudem bisweilen sehr witzig. Es mutet ein wenig wie eine Telefonkonferenz an, bei der man seinem Gegenüber in der Regel ja auch nicht ins Gesicht schauen kann. So langsam fühle ich mich wohl, bin aber sehr gespannt wie das mit dem Essen funktioniert. Die Kellner bewegen sich sicher auf uns zu, zumindest muss es so sein, da nichts heruntergerempelt wird, und kommentieren ihr all ihr tun. Bei genauerem Hinsehen meine ich ganz kleine Leuchtpunkte am Kopf der Kellner zu erkennen und wir schließen in unserer Runde sofort auf Nachtsichtgeräte. Und in der Tat Familie Knieps pirscht sich wie die Jäger im Wald an Ihre Gäste heran und serviert die Vorsuppe. Gar nicht so einfach den Löffel zum Mund zu führen. Man meint ihn immer schräg zu halten und fühlt mit der anderen Hand ob der Suppenverlust nicht in allzu großen Mengen auf der Tischplatte landet. Aber er geht, wenn auch ein wenig mehr zur Schüssel heruntergebeugt. Wir machen Gruppenraten welches Gewürz welche Art von Suppe hier verfeinert hat und kommen auf eine Tomatensuppe mit einem Hauch von Curry und Paprika. Lecker ist die einstimmige Meinung. Beim Salat danach geht die Ratestunde weiter. Ruccola, Feldsalat mit Ananas und Wallnüssen heisst die gemeinschaftliche Analyse. Der Hauptgang verlangt dann alles ab. Hühnchen, Karotten, Weintrauben, und Pilze – aber was ist das Panierte in der Mitte? Harry Knieps gibt Auskunft und verrät es sei panierter Sellerie. Unheimlich wohlschmeckned und von keinem der Anwesenden erraten. Um uns herum ist es durch die Unterhaltungen der anderen Gäste lauter als in einer normalen Gaststätte, so glauben wir zumindest, erfahren aber am Ende dass dies nur ein Trugschluss ist, da das Gehör den Job als Hauptsinnesorgan übernommen hat und man sich so automatisch mehr auf die Akkustik fixiert. Als die Kellner ihre Gäste um die Einschätzung zur Länge des bisherigen Aufenthalts bitten herrscht die einhellige Meinung es seien so um die 45 Minuten. Tatsächlich aber befinden wir uns schon fast 1,5 Stunden hier in der totalen Finsternis. Der Nachtisch wird serviert und begeistert mit seiner Fruchtigkeit. Einzelne Früchtesorten sind schwer auszumachen und man merkt, dass wenn man keine Formen und Farben auf dem Teller sieht die Bestimmung des Essens sehr schwierig sein kann. Zum Ende überreichen uns die Gastgeber noch ihre Nachtsichtgeräte und wir sind erstaunt wo all die Menschen um und herum sitzen und wie der Raum aufgebaut ist. Auch als das Licht langsam wieder angemacht wird bin ich sehr überrascht dort wo ich gedacht habe keine Wand zu erblicken. Was für ein lichtloses aber äußerst leckers und unterhaltsames Event. Wir fahren sehr angetan nach Hause und ich weiß, dass mich bei all den LEDs in der Wohnung und den Straßenlaternen da Draußen so schnell eine derartige Finstrernis nicht mehr umgeben wird. Schade, denn erstmal verbinde ich jetzt das Schwarz vor Augen mit einem vorzüglichen Essen aus der Obstweinschänke in Vierbach. Wir können das Knieps’sche Dinner in the Dark nur empfehlen, denn hier kommt Unterhaltung, Genuß und Herzlichkeit zusammen. Guten Hunger und gute Nacht!

Mehr Infos und Reservierung unter: https://obstweinschänke-vierbach.de/

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